Für uns als „Pferdemenschen“ ist ein grundlegendes Wissen über die Biomechanik des Pferdes unerlässlich

Von Natur aus sind die Pferde als Fluchttiere nicht konzipiert um Gewicht zu tragen. Der Rücken des Pferdes ist mit einem extrem schnell kontrahierenden Bewegungsmuskel ausgestattet (Loggissimus dorsi). Wenn wir als Mensch/Reiter Gewicht auf den Pferderücken bringen, dann wird zunächst die Funktion dieses Muskels maximal blockiert und er wird nicht mehr richtig mit Sauerstoff und Blut versorgt. Das bedeutet, wir Menschen müssen den Pferden zeigen, wie sie unser Gewicht eher passiv tragen können, ohne dabei dauerhaft Schaden zu nehmen (passiver Tragemechanismus) – dabei hilft die konstruktive Dehnungshaltung. Hier wird das gewaltige Nackenband oder Oberdornfortsatzband (ligamentum nuchae) durch die angefragte Dehnungshaltung in Funktion gebracht. Indem der Kopf mit Nase vorwärts Richtung Boden geht und gleichzeitig das Hinterbein fleißig abfußt, entsteht Zug auf das Nackenband. Dieses schützt den so empfindlichen Rückenmuskel, der nun frei arbeiten und sich positiv entwickeln kann. Die Dornfortsätze am Widerist werden nach vorne gezogen und bis zum 14.Brustwirbel aufgerichtet, es entsteht so Platz zwischen den Wirbeln. Da der lange Rückenstrecker so nicht gequetscht wird, atmen die Pferde deutlich leichter durch und gehen sofort auch motivierter und taktmäßiger an die Hand (Anlehnung) heran. Sie lieben dieses Wohlgefühl und die Trageerleichterung. Die größte reiterliche Anforderung ist das konstante Beibehalten der Anlehnung bei aktiv abfußendem Hinterbein. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass das Hinterbein in dem Moment kraftvoller abfußen kann, wenn die „Rückenbremse“ durch die vorwärts-abwärts Haltung gelöst wird. Zugegebenermaßen ist das Erarbeiten der konstruktiven Dehnungshaltung bei bereits vorgeschädigten Pferden ein Masterjob, denn bei falscher Reitweise (mehr Handeinwirkung als Körper und Beinhilfen) passiert es am Anfang sehr leicht, dass die Pferde nicht sofort den richtigen Weg ins vorwärts-abwärts finden und dann „auf dem Kopf stehen“. Haben Pferde erst einmal verstanden, was sie zu ihrer eigenen Erleichterung tun können, ist es jedoch ein positiver Selbstläufer. Ich hoffe sehr, es wird in der Zukunft noch mehr gute Ausbilder geben, die Menschen und Pferden auf diesen richtigen Weg verhelfen. Ihre Pferde werden es Ihnen danken. Aus meiner eigenen Erfahrung mit ca.200 so geschulten Pferden, war nicht ein einziges dabei, das nicht besser, gesünder schöner und älter wurde. Ich wünsche mir sehr, für die Pferde und auch im Sinne des angekratzten Images des Reitsportes, dass diese traditionsreiche, leider so in Vergessenheit geratene pferdefreundliche Ausbildungsmethode für alle Spaten der Reiterei wieder mehr genutzt wird. 

 

Wird das nicht gemacht, so bleibt nach kürzerer oder längerer Zeit die sogenannte „Trageermüdung“ nicht aus. Dies kann sich, je nach Typ und Veranlagung des Pferdes, in verschiedensten Symptomen äußern, wie z. B.: das Pferd will mit Reiter nicht mehr so gerne laufen – oder es neigt zum Erschrecken oder Wegrennen. Auch Widersetzlichkeiten verschiedenster Art sind verzweifelte Versuche der Pferde, dieses unangenehme Gefühl „loszuwerden“.  Von Natur aus sind Pferde als Fluchttiere „Fronttriebler“. Wenn wir sie reiten wollen, müssen wir den Pferden beibringen, ihr Hinterbein vermehrt zum Tragen zu nutzen.  Das muss aus eigenem Antrieb und eigener Motivation geschehen und nicht durch mechanisches „Herantreiben“.  Auch hierfür sind die „Werkzeuge“ Komfort-Spots, Atmung und positives Feedback zum Pferd(timing).  Ein durchdachter, konstruktiv langsam steigernder Trainingsplan ist unumgänglich. Hierzu gehört die“ konstruktive Dehnungshaltung“, sowie Gebrauchshaltung und ggf. Versammlung in angemessener Dosierung.

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